Milliardengrab Dichtheitsprüfung

Sendung verpasst? ARD-Plusminus vom 10.4.2013

Bitte hier unbedingt ansehen (6:50 Minuten)!

http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/432744_plusminus/14077354_kanal-sanierung-wie-hauseigentuemer-abkassiert

 

Inhalt

Dichtheitsprüfung

Wer Pech hat zahlt - und oft auch noch zu viel!

Wer in München ein Haus oder eine Wohnung hat, muss bis Ende 2015 seinen Kanalanschluss überprüfen lassen, wer in Berlin wohnt, muss das in der Regel nicht. In Hamburg muss man sich selbst darum kümmern, für Immobilienbesitzer in Frankfurt übernimmt das die Stadt.

Wenn es um die Dichtheitsprüfung von privaten Abwasserkanälen geht, ist Deutschland ein regelrechter Flickenteppich. Von Bundesland zu Bundesland, ja sogar von Stadt zu Stadt gelten völlig verschiedene Vorschriften. Ein einziges Chaos! Klar ist nur: Für die Prüfung und vor allem für die danach eventuell anstehende Sanierung fallen üppige Kosten an. Mehrere Tausend Euro sind dann schnell mal fällig.

Kanalprüfung statt Urlaubsfreuden

Bei Hildegard Dell begann der Schlamassel mit einem Brief vom Bürgermeister ihrer Heimatstadt Wassenberg in Nordrhein-Westfalen. Darin wurde sie aufgefordert, den Kanalanschluss ihres Hauses auf Dichtheit überprüfen zu lassen. Geschätzte Kosten: bis zu 500 Euro - sagt die Stadt.

Hildegard Dell ist entsetzt:

"Mein Mann ist Frührentner. Der ist krank. Ich muss für viele Medikamente noch zusätzlich zahlen. Jeden Monat! Das kann ich auch nicht. Wir können nicht in Urlaub fahren, da haben wir kein Geld für. Aber für den Kanal muss ich bezahlen. Nein wirklich nicht!"

Was sie besonders ärgert: Nicht alle Haus- und Wohnungseigentümer im Ort müssen zahlen. Nur, wer auf einer von der Stadt herausgegebenen Liste steht. Teilweise kommt es auf die Hausnummern an. In einer Straße der sogenannten Feierabend-Siedlung zum Beispiel müssen die Hausnummern 2, 4 und 6 die teure Dichtheitsprüfung machen lassen - der Rest nicht!

Umweltschutz als Begründung

Und das Ganze geschieht angeblich zum Schutz unserer Umwelt. Denn undichte Kanäle könnten das Grundwasser verseuchen - so die Befürworter der Massenprüfungen.

Das Problem dabei sei nur, so Prof. Dr. Hartmut Hepcke von der Fachhochschule Münster:

"Alle Untersuchungen, die wir so kennen und die in Auftrag gegeben worden sind, beweisen eher das Gegenteil: Dass erstens die Mengen durch solche Undichtigkeitsstellen relativ klein sind und dass die Verschmutzungen, die dann logischerweise austreten, im direkten Umfeld um das Rohr durch die Selbstreinigungskraft des Bodens und des Gewässers abgebaut werden. Und damit ist diese ganze Prüfung eigentlich vollkommen überflüssig."

Trümmerfeld im Keller

Nicht nur das: Um zu prüfen, ob nichts kaputt ist, muss man oft sogar erst was kaputt machen! So bei Klaus Lau in Mönchengladbach. Er hätte laut des Chefs der herbeigerufenen Kanalfirma gleich an mehreren Stellen den Kellerboden aufschlagen sollen - für die Kanal-Kamera:

"Um die Winkel und Ecken wäre er gar nicht rumgekommen", erklärt Hausbesitzer Klaus Lau. "Und dann hat der Monteur schlicht und ergreifend gesagt: Da müssen wir Kopflöcher hacken. Und das wird teuer - das hat er auch gleich gesagt. Damit er dann hier wieder separat mit Hochdruckreiniger und Kamera einfahren kann."

Klaus Lau hat Glück gehabt: Vor kurzem wurde das entsprechende Gesetz in Nordrhein-Westfalen wieder abgeändert - er muss seinen Kanalanschluss nun vorerst doch nicht prüfen lassen.

Chaos deutschlandweit

Anderswo besteht der Prüfzwang jedoch weiterhin. So müssen zum Beispiel in München Hausbesitzer bis Ende 2015 die Dichtheit nachweisen. Im nahegelegenen Augsburg erst bis 2019. Wer in Berlin wohnt, muss in der Regel gar nichts machen, außer er wohnt in einem Wasserschutzgebiet. In Hamburg gilt wieder der Termin 2015 - noch! Denn das soll sich bald ändern, munkelt man. Auch in Dresden muss der Hausbesitzer bis 2015 prüfen lassen. In Frankfurt am Main hingegen nimmt die Stadt die Prüfung selbst in die Hand.

Undurchsichtige Methoden

Welche Auswüchse dieser Dichtheits-Prüfwahn haben kann, sieht man auch bei Peter Wimmer. Ihm gehört eine Eigentumswohnung in München - Baujahr 83. Was er nicht wusste: Sie steht quasi auf einem Scherbenhaufen - zumindest wenn man der Hausverwaltung glaubt. Vor kurzem nämlich gab die den Eigentümern bekannt, dass laut einer TV-Kanalinspektion die privaten Leitungen sanierungsbedürftig seien. Kostenschätzung: Weit über 200.000 Euro. Echter Sanierungsbedarf oder Abzocke?

Wohnungseigentümer Peter Wimmer zumindest wundert sich beim Sichten des Videomaterials:

"Dass da ein reines Trümmerfeld unter der Erde liegt, das kann man nicht sehen."

Bernd Gleixner, der in derselben Anlage eine Wohnung hat, stimmt ihm zu:

"Ich ärgere mich über die Methode, wie da über die Eigentümer verfügt wird. Wir haben jetzt so ein paar Zahlen geprüft. Und ich verstehe nicht, wie diese zustande kommen."

Dabei ist nicht einmal klar, ob der Kanal dieser Wohnanlage wirklich undicht ist! Denn größtenteils fand die eigentliche Prüfung überhaupt nicht statt. Saniert werden soll trotzdem - für viel Geld! Plusminus fragt bei der zuständigen Hausverwaltung nach, warum man in diesem Fall auf eine Dichtheitsprüfung verzichtet hat. Die Antwort der Hausverwaltung: "(...) Die hierfür entstehenden Kosten kann man sich sparen, wenn man weiß, dass Mängel vorhanden sind und die Prüfung nicht bestanden werden würde. Das Vorhandensein von Mängeln ist aus der TV-Inspektion der Abwasserrohre bekannt (...)".

Wirklich? Wir zeigen die Aufnahmen unabhängig voneinander zwei Sachverständigen, die auf Kanalsanierungen spezialisiert sind. Deren Einschätzung klingt völlig anders:

"Aufgrund dessen, dass hier keine Dichtheitsprüfung gemacht wurde, ist das Schadensausmaß nicht eindeutig einstufbar und damit auch die Kosten nicht", urteilt Sachverständiger Armin Reiser aus Nürnberg.

Und der Sachverständige Lothar Heckert aus Baldham fügt hinzu:

"Wenn die Sanierung so ausgeführt wird, wie sie hier ausgeschrieben ist, hat man wahrscheinlich zu viel bezahlt. Es können sicher einige Kanalabschnitte ausgeschlossen werden."

Milliardengrab Dichtheitsprüfung

Experten schätzen, dass mit unnötigen Kanalsanierungen in ganz Deutschland Milliarden verdient werden. Die Dummen sind Hausbesitzer, Wohnungseigentümer - und letztendlich damit auch die Mieter.

Möglich macht dies erst das Chaos um die Pflicht zur Dichtheitsprüfung. Das findet auch Hildegard Dell:

"Das ist so unterschiedlich. Und ich sage mir: Entweder alle oder keiner!"

Die 77-Jährige hat nun beschlossen zu kämpfen - und bereits hunderte Unterschriften gegen den Dichtheitswahn gesammelt. Denn sie und ihre Nachbarn haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass die Politiker in Bund, Ländern und Kommunen doch noch einlenken - und ihr Erspartes nicht im Untergrund verschwindet.

Bericht: Johannes Thürmer / Martina Schuster
Stand: Anfang April 2013

Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 10.04.2013. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

Quelle:

http://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/sendung/br/2013/10042013-2-100.html

Keine verdachtsunabhängige Dichtheitsprüfung und Zwangssanierung in Deutschland!

Initiative „Alles dicht in Deutschland“


Unterzeichnen Sie bitte unseren Appell!

Stoppen Sie die Dichtheitsprüfung/Kanal-TÜV in Deutschland!

Unterschreiben Sie hier:

http://protest.alles-dicht-in.de/

Alles-dicht-in-NRW


Stoppen Sie die Dichtheitsprüfung/Kanal-TÜV in Deutschland!

Auch Mieter sind betroffen, denn die Kosten werden dann wohl vom Hauseigentümer über den Mietzins umgelegt.

Helfen Sie sich und allen Bürgerinnen und Bürgern in Deutschland, mit Ihrer Unterschrift.

Viele wichtige & aktuelle Informationen hier:

http://alles-dicht-in-nrw.de/

siehe unbedingt:

 

http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/432744_plusminus/14077354_kanal-sanierung-wie-hauseigentuemer-abkassiert