Jeder, der heute behauptet,

ein Eigenheimbesitzer könne mit 200 - 300 Euro die Sache hinter sich bringen, verschleiert entweder bewusst die Wahrheit, oder ist den Argumenten der “unabhängigen Experten” auf den Leim gegangen. Solange die Art der Prüfung noch nicht festgeschrieben ist, kann ohnehin niemand seriös über Kosten informieren. (siehe auch Kasten rechts unten).

Es geht immer um die Gesamtkosten der Maßnahme, nicht um einzelne Posten in der Rechnung. Nur die interessieren den Bürger wirklich. Die RWTH hat 2004 in einer Pilotstudie in Köln Kosten von etwa 1500,- Euro prognostiziert zzgl. enormer Sanierungskosten in fast jedem einzelnen Fall. Beispiele anderer Gemeinden aus 2009 und 2010 belegen doppelt so hohe Gesamtkosten für die Maßnahme einer Prüfung zusammen mit den öffentlichen Kanälen.

Die hohen Kosten in der Praxis sind bei näherem Hinsehen auch leicht nachvollziehbar. Eine TV-Inspektion erreicht regelmäßig nur einen Teil der Rohrleitungen. Er ist schwer vorstellbar, dass eine Kommune in der Satzung festschreibt, dass dann nur der erreichbare Teil zu kontrollieren ist und der Rest außen vor bleibt. Außerdem setzt diese Art der Inspektion eine Hochdruckreinigung voraus, mit weiteren Kosten. Wenn dann nach Hochdruckreinigung und TV-Inspektion ein Schaden festgestellt wird, ist dieser möglicherweise durch die Reinigung erst entstanden. Das wird der ausführende Betrieb niemals einräumen, wenn der Bürger das nicht beweisen kann. Der ganze Vorgang muss dann so ablaufen, dass man den einen Betrieb mit TV-Inspektion und sorgfältiger Dokumentation beauftragt und erst danach einen anderen Betrieb mit Hochdruckreinigung und erneuter Inspektion. Nur dann können sie dem ausführenden Betrieb Schäden durch die Reinigung nachweisen, die durchaus wahrscheinlich sind, wie Studien belegen. Jeder Hausbesitzer wird sich die Augen reiben, wenn die Rechnungen kommen.

Die eigentliche Katastrophe beginnt dann, wenn Sanierungsbedarf festgestellt wird, und das hängt entscheidend von der Art der Prüfung ab. Eine einfache Durchflussprüfung wird selbst ordentlich verlegten Tonrohren ohne Gummidichtung funktionale Dichtheit bescheinigen. Die Schadquote wird allenfalls im kleinen einstelligen Prozentbereich liegen und das ist - abgesehen davon, dass Prüfung und Sanierung insgesamt unter Umweltgesichtspunkten völlig sinnlos sind - vollkommen in Ordnung so. Wird dagegen mit Luftdruck geprüft, wird fast keine Leitung als dicht eingestuft werden. So hat die RWTH in der genannten Kölner Studie einen Sanierungsbedarf von 98% festgestellt.

Die Frage der Sanierungsfähigkeit ist ungeklärt. Es gibt kein grabenloses Verfahren, für das ein Fachunternehmen ausreichend lange Garantien übernimmt. Die Wunderwaffe “Inliner” ist regelmäßig an kritischen Stellen nicht einsetzbar und birgt langfristige Gefahren, die letztlich auch das Aufstemmen von Betonböden notwendig macht. Aufatmen und nach dem Sankt-Florians-Prinzip handeln können nur die Eigenheimbesitzer, die Leitungen offen unter der Kellerdecke verlegt haben, und nur wenige Meter Rohr unter ihrem Vorgarten prüfen müssen. Für Alle, die Rohre unter der Bodenplatte im Keller- oder Erdgeschoss verlegt haben, bahnt sich ein Albtraum an.