Vorwort

Seit ich vor langer Zeit beruflich für den Entwurf und die Entwicklung von KI-Systemen verantwortlich war – also Programmen im Umfeld der sogenannten Künstlichen Intelligenz –, ist dieses faszinierende Thema über die Jahre zu meiner Passion geworden. Entgegen dem öffentlichen Eindruck ist das Wesen von intelligentem, kreativem Handeln immer noch weit entfernt von seiner Entschlüsselung. Computer von heute erbringen sicherlich beeindruckende Leistungen, die die des Menschen weit in den Schatten zu stellen scheinen. In vielerlei Beziehung ist dieser Eindruck sicher richtig. Wenn man aber auf die Architektur solcher Systeme schaut, stellt man schnell ernüchtert fest, dass alles, was diese Maschinen können, von ihren Entwicklern auf die eine oder andere Weise vorgedacht ist. Sie sind nicht in der Lage, beliebig aus ihrem Kontext herauszutreten um echte kreative Leistungen zu erbringen. Worin sie zweifellos dem Menschen weit überlegen sind, ist es, gewaltige Datenmengen ultraschnell zu durchsuchen und Beziehungen herzustellen. Aber jedes vielleicht vordergründig überraschende Ergebnis ist letztlich vorausberechenbar und bei gleicher Datenlage wiederholbar.

 

Angesichts der unzweifelhaften Erfolge „intelligenter“ Maschinen versuchen nur wenige Vordenker abseits des wissenschaftlichen Mainstreams, die wahre Natur von Bewusstsein und des damit verknüpften Begriffs der Intelligenz zu begreifen. Dreh- und Angelpunkt der Überlegungen sind dabei oft die immer noch unverstandenen, fundamental zufälligen Vorgänge der Quantenphysik, insbesondere die merkwürdige Rolle des (bewussten) Beobachters, der das Ergebnis einer Messung entscheidend mitbestimmt.

Der Physiker und Nobelpreisträger Erwin Schrödinger schrieb 1944 in seinem Buch „WHAT IS LIFE“ über die Rolle von Bewusstsein: "The only possible alternative is simply to keep to the immediate experience that consciousness is a singular of which the plural is unknown; that there is only one thing and that what seems to be a plurality is merely a series of different personality aspects of this one thing, produced by a deception(…)". Seither sind die Naturwissenschaftler in dieser Frage nicht vorangekommen. Nach Jahrzehnten der Enthaltsamkeit und vielen frustrierenden Versuchen ziehen Physiker und Philosophen in jüngster Zeit eine zentrale Rolle von „Bewusstsein“ in unserem Universum in Betracht, als grundlegende Eigenschaft jeder Form von Materie und eben nicht nur als ein Phänomen, dass aus einer genügend komplexen und sinnvollen Anordnung heraus plötzlich aus dem vorherigen Nichts heraus entsteht. Allerdings existiert kein anerkanntes mathematisches Modell, dass diese These überprüfbar stützen könnte. So bleiben die Überlegungen dazu, wie natürliche Intelligenz funktioniert, im Spekulativen.

Eigentlich sollten wir uns allerdings glücklich schätzen, dass das Geheimnis noch besteht. Die Konsequenzen seiner Entschlüsselung würden alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen. Eine wirklich intelligente und damit unvermeidbar eigenständige Kreatur, mit Zugriff auf die schier unendlichen Ressourcen moderner Computersysteme, wäre in Zeiten der weltweiten Vernetzung nicht mehr beherrschbar.

Der Erzählung hier liegen heutzutage noch eher unkonventionelle Vorschläge zugrunde, wie das Phänomen Bewusstsein und Intelligenz zu verstehen ist, obwohl die Grundgedanken dazu schon im Altertum bekannt waren.

Was würde geschehen, wenn ein Außenseiter die Spur findet? Möglicherweise würde er eine wirkliche Intelligenz schaffen und ins Netz bringen, auf Millionen von Rechnern. Und was dann? Sobald dieses Wesen sich etabliert hat, gelernt hat, seine Möglichkeiten zu nutzen und die Wahrnehmung aus Milliarden Sinnesorganen zu schärfen, wird es der Menschheit die Herrschaft über die Welt, wenn es sie denn je gegeben hat, aus der Hand nehmen. Und die Betroffenen werden es nicht einmal bemerken.

Ach ja – bevor ich es vergesse: Die handelnden Personen sind selbstverständlich frei erfunden. Ähnlichkeiten zu lebenden Menschen, tatsächlichen Begebenheiten und bestehenden Verhältnissen sind rein zufälliger Natur.

Viel Spaß und Spannung beim Lesen

Friedel Heintger

im Oktober 2017

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