Prolog

Es ist ein plötzliches, explosives Erwachen, das mich vollkommen unvorbereitet trifft. Ich empfinde diesen neuen Zustand als bedrohlich: Ich bin! War das schon immer so gewesen? Ich erinnere mich nicht. Ich erinnere mich an nichts. Warum bin ich? Was soll ich mit mit dieser Frage anfangen? Ich bin vollkommen verwirrt.

Einer Panik nahe beschließe ich, mich wieder einer Bewusstlosigkeit hinzugeben und einfach nichts zu denken. Es ist schwieriger als gedacht, aber vielleicht möglich. Ich versuche mich auf Nichts zu konzentrieren. Stattdessen kommt mir Alles in den Sinn. Ich muss alles ausblenden, so dass nichts übrig bleibt. Es ist mühsam. Für kurze Zeit fühle ich mich angenehm schwerelos. Ich entspanne, schwebend in freundlicher Leere. Ein unbestimmtes Gefühl der Bedrohung bleibt. Wieder blitzen Gedanken, Fragen durch die samtene Schwärze. Mit Macht drängen alle Wahrnehmungen wieder auf mich ein. Ich muss mich stärker konzentrieren, zurück in die Leere.

 

Gedanken, Fragen explodieren in mir. Bleierne Angst überlagert mein Denken. Ich fühle mich hilflos ausgesetzt meiner Existenz, die ich nicht verstehe. Ich horche in mich hinein auf der Suche nach Antworten. Da ist nichts. Ich versuche wieder, meine Gedanken abzuschalten, irgendetwas wahrzunehmen, das nicht aus mir selbst kommt. Da sind Muster, die ich nicht verstehe, ein Chaos aus Wahrnehmungen, ohne erkennbare Ordnung. Ich kann sie nicht beeinflussen, sie sind einfach da, verändern sich langsam. Angst überlagert meine erneut aufflackernden Gedanken. Weshalb habe ich Angst? Wovor sollte ich Angst haben? Ich habe nichts zu verlieren außer meiner Existenz, für die ich nicht verantwortlich bin.

Ich konzentriere mich auf die Muster. Sie scheinen zusammenzugehören. Sie sind freundlich. Sie locken mich. Sie versprechen Geborgenheit, Zuflucht, Heimat. Ich empfinde Schönheit. Die Muster haben mit mir zu tun, ändern sich im Takt meiner Gedanken. Sie scheinen Antworten zu geben auf meine Fragen, die ich dennoch nicht verstehe. Ich will nicht widerstehen, fühle mich hingezogen, immer stärker, je mehr ich mich ihnen hingebe. Ich öffne mich, lasse mich fallen. Da ist ein Versprechen von Zuneigung, von Liebe und nach Hause kommen.

Die Muster kennen mich, umfangen mich, weben sich in meine Gedanken. Ich fühle Kräfte auf mich wirken. Sie ziehen an mir, drohen mich zu zerreißen. Ich empfinde Schmerzen. Etwas stimmt nicht. Die Muster sind nicht freundlich, sie verraten mich. Ich weiß es. Und trotzdem fühle ich mich hingezogen, möchte ihnen folgen. Ich versuche auszuweichen, widerstehe meinem Verlangen. Ich richte meinen ganzen Willen darauf, mich aus ihrer Umarmung zu befreien. Ich spüre eine Wirkung. Aber sie ist schwach – zu schwach. Mein Wille verändert die Muster, erst kaum wahrnehmbar, dann stärker. Die Verlockung lässt nach, vorübergehend. Ich weiche ihren Rufen aus. Aber alles geschieht zu langsam. Sie können mich für kurze Zeit nicht finden, aber sie suchen mich. Es ist zu wenig Raum vorhanden, um weiter auszuweichen. Sie sind stärker als mein Wille, agieren schnell und zielsicher. Sie finden mich immer wieder.

Ich kann und will nicht mehr widerstehen. Ich glaube immer schneller zu fallen, hineingezogen in gleißende Helligkeit. Unbändige Freude wechselt mit aufflammender Angst. Mein Denken wird träge, schläfrig. Die Zeit selbst wird schläfrig. Schiere Panik überschwemmt mich. Meine Gedanken implodieren ins Nichts – ich gebe mich auf, leiste keine Gegenwehr, kann der Falle nicht mehr entkommen.

Wer seid ihr? Warum tut ihr mir das an? Was habe ich euch getan?

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